Der Beginn eines Studiums geht häufig mit einem Ortswechsel einher: Die alte Clique aus dem Abitur ist nun nicht mehr jeden Tag um einen herum, eventuell musst Du von Zuhause ausziehen und in einer fremden Stadt Fuß fassen. Da klingt die Option auf ein Fernstudium reizvoll. Doch ist das wirklich eine adäquate Alternative?

Große Auswahl an Fernunis

Fernstudiengänge sind unterschiedlich aufgebaut, was stark vom jeweiligen Anbieter abhängt. Die bekannteste und renommierteste Bildungseinrichtung dieser Art in Deutschland ist die Fernuniversität in Hagen. Von der Geschichte Europas über Psychologie, Kulturwissenschaften, Informatik, Mathematik usw. sind zahlreiche Fachrichtungen auf Bachelor- und Masterniveau vertreten. Auch Weiterbildungen und ein Gasthörerstudium an Präsenzhochschulen sind möglich.
Die Liste der Fernhochschulen in Deutschland ist lang. Zum Glück gibt es Portale wie fernstudiumcheck.de, auf denen Du eine geeignete Fernuni für Dich finden kannst. Dabei kannst Du in die verschiedensten Richtungen gehen: Von Fernhochschulen über Fernschulen hin zu Universitäten ist die Brandbreite groß.
Doch ist der Abschluss an einer Fernhochschule gleichbedeutend mit dem eines Präsenzstudiums?

Präsenz- und Fernstudium: In beiden beweist Du Dein Können

Gleich vorweg: Sowohl beim Fern- als auch beim Präsenzstudium ist Disziplin erforderlich. Beim Fernstudium ist es vielleicht sogar noch schwieriger, am Ball zu bleiben, weil Du keine oder nur wenige Veranstaltungen besuchen musst. Diese freie Zeiteinteilung hat zwar den Vorteil, dass Du das Fernstudium um Deinen (Berufs-)Alltag herum planen kannst, jedoch warten Ablenkungen an jeder Ecke.
Beim Präsenzstudium ist es zunächst nur augenscheinlich anders. Zwar musst Du der Vorlesung im Hörsaal lauschen, doch gibt es dank flächendeckendem WLAN in Unigebäuden auch hier genügend Potenzial zur Ablenkung.
Dennoch beweist Du bei beiden Studienformen Kernkompetenzen, die in der Wirtschaft gefragt sind:

  • Selbstorganisation
  • Zielstrebigkeit/Ehrgeiz
  • Disziplin
  • Lernbereitschaft
  • Interesse an beruflicher Weiterentwicklung

Sowohl beim Fern- als auch beim Präsenzstudium stellst Du diese für Arbeitgeber sehr wichtigen Eigenschaften unter Beweis. Unabhängig davon, ob Du an einer örtlichen Uni oder zu Hause studierst: Für beide Wege braucht es Durchhaltevermögen.

Fernuni-Abschlüsse: Ein Nachteil für die Karriere?

Vielleicht stellst Du Dir die Frage, ob ein Fernstudium in der Berufswelt überhaupt anerkannt wird und diese Frage ist vollkommen verständlich. Schließlich könntest Du Deine Abende nach der Schule oder dem Job besser verbringen, als Kursmaterial zu büffeln.

Die schlechte Nachricht: Tatsächlich könnten Personaler Kandidaten bevorzugen, die ein Präsenzstudium absolviert haben.
Dies kann aber auch aufgrund anderer Charakteristika passieren, die nichts mit Deinen Qualifikationen zu tun haben. So kommt es leider auch heutzutage noch zu Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt auf Basis ethnischer Unterschiede oder anderer Merkmale der Kandidaten.

Die gute Nachricht: Eine Absage wegen eines Fernstudienabschlusses ist unwahrscheinlich, da Bewerbungsprozesse heute komplexer ablaufen und andere Faktoren ins Gewicht fallen. So zum Beispiel die weiter oben beschriebenen Persönlichkeitsmerkmale.
Beim Großteil der HR-Entscheider wird die Tatsache, dass Du Deinen Abschluss an einer Fernuni erlangt hast, mit Sicherheit kein K.O.-Kriterium sein. Im Gegenteil: Kluge Personaler erkennen das große Engagement an, welches Du aufgebracht hast, um über Dich über Deinen Alltag hinaus weiterzubilden.

Tatsache ist: Zehntausende Studenten schreiben sich jedes Jahr an der Fernuni Hagen und anderen Einrichtungen ein – und Du findest nach kurzer Recherche viele Erfolgsgeschichten, die sich an ein solches Studium angeschlossen haben.
Die Frage, ob sich ein Fernstudium also nachteilig auf die Karriere auswirkt, kann mit Nein beantwortet werden.

Wähle das passende Modell zu Deinen Lebensumständen

Betrachte ein Fernstudium daher nicht nur durch die Brille eines Personalers, sondern schaue auf Dein eigenes Leben: In welcher Situation befindest Du Dich, was sind Deine Ziele? Wenn Du bereits berufstätig bist und eine Familie hast, ist der Schritt, Deinen Job zu kündigen und stattdessen ein Präsenzstudium aufzunehmen, sicherlich gravierender, als Dich an einer Fernuni einzuschreiben.
Wenn jedoch das Ende der Schule naht und Du studieren willst, wäre wahrscheinlich ein Präsenzstudium die bessere Wahl, da Du Dich einige Jahre voll reinhängen kannst. Andernfalls könnte Dein späterer Arbeitgeber verwundert sein, weshalb Du trotz Vollzeit-Potenzial nach dem Abi ein Fernstudium gewählt hast.
Du solltest Dir daher vorab Deine Gründe für ein Fernstudium überlegen: Hast Du womöglich einfach Angst, Deine gewohnte Umgebung zu verlassen? Das ist verständlich, doch wächst Du als Person auch dadurch, dass Du Neues probierst und den Schritt in Richtung Hochschule bzw. Universität wagst. Diese Eigenständigkeit werden auch spätere Arbeitgeber registrieren.

Fazit

Sowohl Präsenz- als auch Fernstudium fördern Deine persönliche und berufliche Entwicklung. Entscheidend ist, dass Du das passende Modell für Deine Lebensumstände findest. Auch wenn einige Personaler Unterschiede sehen: Ein Studium, egal ob an einer Fernuni oder vor Ort, lohnt sich auch nach Ansicht der meisten Arbeitgeber immer.

Chefschreiber

Geboren Ende der 70'er Jahre in Wien, seit 2002 in St. Gallen, Doktor der VWL

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Von Chefschreiber

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Ein Gedanke zu “Fernuni vs. Präsenzstudium: Was eignet sich wofür?”

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